der erste Chemotag (erste Phase)
ein Tag, der zeigt, dass ein einziger Tag
unglaublich viele Facetten bereithalten kann...
er fing entspannt an, denn ich konnte zuversichtlich sagen,
dass ich gut vorbereitet bin,
auf der einen Seite jeden Tag genossen habe,
den ich ohne Chemokeule noch hatte und
auf der anderen Seite viel vorbereitet habe,
auf was ich dann in der Zeit der Belastung leicht zugreifen kann
und mir sicher sein, dass ich mit diesen Bausteinen
dann auch in der schlappen Zeit etwas Gutes werde machen können,
um dem Verfall etwas entgegenzusetzen...
später dann in der Praxis zu sitzen und zu wissen,
dass damit der Startschuss in die Schredderphase fällt,
war schon ein Wechselbad der Gefühle und
mit Kummer und Abschied verbunden,
neben der Zuversicht, dass ich gut gerüstet bin...
ich saß mit meinem Mann in der Praxis,
der den Einstieg in die nächste Phase unbedingt begleiten wollte,
und für sich klar hatte mich unterstützen und im Blick haben zu wollen,
um da zu sein, wenn ich ihn brauche...
keine leichte Aufgabe für ihn,
denn meine Krisen werden schnell zu seinen Baustellen,
weil´s für mich ja keine Not geben dürfte wenn er da ist,
er also unweigerlich etwas falsch gemacht haben wird,
sich da aber zu unrecht in die Ecke gestellt fühlt
und im ersten Schreck und einem rasenden Tempo
dann in die Verteidigung geht
und mit harten Geschossen aufwarten kann...
erste Schritte, wie ein letztes Beratungsgespräch mit einer mir
noch unbekannten und sehr netten, mir zugewandten jungen Ärztin
wurden noch gut gemeistert,
auch wenn ich die Anspannung deutlich in mir aufsteigen sah...
der erste Gang ins Therapiezimmer
war dann ein gewaltiger Schuss vor den Bug,
drei Opas saßen für mich
in der bekannten Anordung eines Stühlchenkreises im Kreis
(ich bin Grundschullehrerin)
und ich wusste sofort,
dass ich hier für mich keinen Platz
für meinen schweren Gang finden werde
und auch die Herrenrunde durch mich nur gestört werden wird,
härter hätte es mich nicht treffen können,
denn ich brauchte etwas kuscheliges, diskretes,
wie es eine Abstellkammer oder ein Behinderten WC
beispielsweise bieten könnten...
zu wissen, dass man intimste Momente auf super dünnem Eis
3 Männer im Blick hat und umgekehrt von 6 Augen und Ohren begleitet wird,
die man so gar nicht als Verbündete empfinden kann,
ist für mich absolut unvorstellbar...
Und was macht die liebe Gille?
sie geht klar verständlich, durchaus freunlich
aber doch auch steil in den Widerstand,
nachdem sie genau 3 Sekunden Probegesessen hat...
steht wieder im Türrahmen und verkündet,
dass sie hier in diesem Raum nicht gut untergebracht ist
und davon ausgeht, dass sicher im Keller
irgendwo im Nichts ein passender Stuhl zu finden sein wird...
mein Mann im Wechselbad der Gefühle,
denn meinen Protest kann er durchaus als Kriegserklärung erleben,
in diesem Fall aber auch tatsächlich aus meiner Sicht als meine Notlage erfassen,
und sich dann in Sekundenschnelle dafür entscheiden,
mich nicht wieder auf das angewiesene Stühlchen zu ziehen,
sondern mit kleinem Abstand auch im Türrahmen seinen Platz zu suchen...
die Schwester nur eine Millisekunde im Modus der Überforderung,
und dann schnell verständnisvoll, helfend,
denn sie erfasste meine Not,
die ich auch nicht besser hätte auf den Punkt bringen können,
bedankte sich für meine Kommunikation und ging auch die Suche
nach einem geeigneten Plätzchen im Nirgendwo...
ich durfte eine zweite Runde auf meinem Stuhl platznehmen,
wusste erneut, dass hier nichts möglich sein wird
und konnte dann kurze Zeit später in der zweiten Klasse
auf einem angeblich unbequemeren Stuhl Platz nehmen
hatte eine Nachbarin, die nach altem Hasen aussah
und war gerettet,...
der Tag ging weiter, aber hier mache ich erst einmal Schluss,
denn Beiträge, die kein Ende finden,
kann ja kein Mensch lesen...
morgen wird es weitergehen und bis dahin wünsche euch für alles,
was ihr vor der Brust habt die Zuversicht, die ihr braucht,
um da gut durchzukommen und am Ende zufrieden zu sein...
LG Gille
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